Der Mann, der nach dem Rechten sieht

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Moritz sorgt am BarCamp für die Sicherheit.

Stundenlang stehen und schweigen. Für Moritz ist das Alltag. Er arbeitet bei einer österreichischen Sicherheitsfirma. Und dieses Wochenende am BarCamp. 

Die Stahlkappenschuhe sind poliert, die Krawatte gerichtet, die Haare gekämmt. Wenn er die Schultern breit macht und die Arme verschränkt, wirkt er respekteinflößend. Und älter als er eigentlich ist: 21. Er verdient sein Geld als Security-Mann auf dem Hauptbahnhof oder auf Veranstaltungen.
DSC_0292“Das Stehen habe ich bei der Garde gelernt”, lächelt Moritz, der hier nur mit Vornamen genannt werden will. Nach dem Präsenzdienst wusste er nicht, was er studieren wollte. Also ging er arbeiten. Im Sicherheitsbereich sei wenig Ausbildung erforderlich. Lediglich eine firmeninterne Schulung musste er absolvieren. Dort klärte man ihn über Rechte und Pflichten auf und zeigte ihm, “wie man’s nicht macht”.

Keine “Ziegelsteinwerfer”

Für Moritz zählt der Job am BarCamp eher zu den unaufregenden Aufträgen. Ob der Bezeichnung hatte er zunächst eine “flüssigere” Veranstaltung erwartet. Eines ist ihm gleich aufgefallen: Dass die Vornamen auf den Namenskarten besonders gut sichtbar sind und sich alle duzen. “Die Leute wirken friedlich, viel bleibt da für mich nicht zu tun.” Es sei gut, dass “jemand da ist, falls etwas ist”. Mit gröberen Zwischenfällen oder “Ziegelsteinwerfern” rechnet er aber nicht.

“Niemandem zu trauen”, war für ihn bisher die wichtigsteDSC_0305 Lektion als Sicherheitsmann, erzählt Moritz. Überhaupt sei er skeptisch geworden. Das hat sich auch auf sein Privatleben ausgewirkt. Nach einer langen Arbeitswoche fühlt er sich manchmal unausgeglichen. Dann greift er zum Buch, am Wochenende geht er aus. Wichtig sei das Vergessen: “Mein Ausbildner beim Bundesheer hat jeden Freitag gesagt: ‘Und jetzt Festplatte löschen.’ Das passt ganz gut, finde ich.”

Am Ende unseres Gesprächs dreht Moritz den Spieß um. Über dieses “BarCamp” möchte er mehr erfahren: Gibt’s das in jedem Bundesland? Wer finanziert das Ganze? Auch er schnappt sich ein Namenskärtchen. Nur als Andenken. Unter seinen Hashtags: Security und Single.

 

Fotografiert von @MillaAnnabith, gebloggt von @PaulKrisai

April 19, 2015

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2 Kommentare

  1. Fein, dass ihr auch die “Stillen” (und für manche auch nicht so Sichtbaren) ins Rampenlicht stellt.
    Und danke an Moritz, dass er auf uns “aufpasst”.

  2. schön!

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